Verkehrskonzept und Parkraumsituation Vinetakiez
In Pankow-Süd entstehen neue Wohnungen: An der Ecke Schonensche Straße/Baumbachstraße sind 140 Wohnungen genehmigt, weitere 31 Wohnungen an der Kurzen Straße bereits fertiggestellt. Mit mehr Wohnungen steigt Erfahrungsgemäß auch das Verkehrsaufkommen; meine Kollegin Oda Hassepaß und ich haben zum Verkehrskonzept und zur Parkraumsituation in Pankow-Süd einmal nachgefragt.
Denn die Probleme sind bereits bekannt: hoher Parkdruck, unsichere Kreuzungen, mangelhafte Barrierefreiheit sowie Handlungsbedarf bei Fuß- und Radverkehr.
Die Antwort des Senats dazu ernüchtert: Es sei zwar mehr Verkehr zu erwarten, die zusätzliche Belastung sei aber „stadtverträglich“. Ein Verkehrsgutachten wurde nicht erstellt – eine regelmäßige, anlasslose Überprüfung des Verkehrsaufkommens werde im genannten Gebiet nicht durchgeführt.
Allein für die Thulestraße zwischen Prenzlauer Promenade und Neumannstraße als Bestandteil des übergeordneten Straßennetzes seien Daten erfasst. Für diesen Abschnitt betrage die durchschnittliche Verkehrsstärke zwischen 5.900 und 7.000 Kfz je 24 Stunden. Noch weniger Daten liegen zum Fußverkehr vor. Wie der Senat mitteilte, sollen Daten im Rahmen eines Projektes des Bezirksamts Pankow zum Fußverkehr aufbereitet werden. Das Datenprojekt solle ein zielgerichtetes Vorgehen der Verwaltung, eine Grundlage für politische Entscheidungen sowie eine Priorisierung von Verbesserungsmaßnahmen in der Fußverkehrsplanung des Bezirks ermöglichen. Daraus resultierende konkrete Maßnahmen konnten für das Gebiet Pankow-Süd noch nicht benannt werden.
Immerhin sind einzelne Maßnahmen geplant:
Am temporären Schulort Grundschule Wolkenstein werde derzeit das Teileinziehungsverfahren zur Einrichtung einer Fußgängerzone in einem kurzen Abschnitt der Straße Eschengraben (Höhe Schule) vorbereitet. Die Einrichtung der Fußgängerzone sei für Anfang 2027 vorgesehen.
Für die Kreuzungen im Thule-Viertel seien fußgängerfreundliche Übergänge geplant. Die ersten Kreuzungen werden im Laufe des Jahres 2026 bearbeitet, weitere folgen 2027. In Vorbereitung befindet sich derzeit die Einrichtung einer Tempo 30-Zone in der Elsa-Brändstöm-Straße zwischen Prenzlauer Promenade und Neumannstraße.
Für die Talstraße werde geprüft, wie der Durchgangsverkehr unterbunden werden kann. Die Neumannstraße erhält schrittweise Radverkehrsanlagen, die abschnittsweise bis 2028 umgesetzt werden. Die Planungen für den 1. Bauabschnitt der Radverkehrsanlagen Neumannstraße seien abgeschlossen. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten der Fahrbahndecke sollen im nächsten Jahr die Markierungs- und Beschilderungsleistungen folgen. Die Planungen für den 2. Bauabschnitt zwischen Thulestraße und Wisbyer Straße sollen in 2027 abgeschlossen werden (voraussichtlicher Baubeginn 2028).
Das ist gut, was aber fehlt, ist weiterhin ein Gesamtkonzept für Pankow-Süd. Dieses soll erst im Rahmen der Städtebauförderung entstehen.
Im Rahmen der Förderperiode sei abzusehen, dass frühzeitig ein Verkehrs- und Mobilitätskonzept für das Gebiet Pankow-Süd erarbeitet werden wird. Mit belastbaren Ergebnisse mit fundierten Aussagen zu der Verkehrsführung und ggf. zum ruhenden Verkehr sei erst 2028/2029 zu rechnen. Auch zur Parkraumbewirtschaftung nördlich der Wisbyer Straße gebe es bislang keine konkreten Pläne.
Unsere Position ist klar: Wenn neue Wohnungen entstehen, muss die Verkehrsinfrastruktur mitwachsen. Sichere Schulwege, gute Rad- und Fußwege, ein Parkraumkonzept und weniger Durchgangsverkehr dürfen nicht auf die lange Bank geschoben werden. Pankow-Süd braucht nicht erst 2028 ein Verkehrskonzept – sondern jetzt eine klare Priorität für sichere und lebenswerte Straßen.